Familienberatung

In der Familienberatung geht es um die Familie als Ganzes. Gerade der Umgang und die fehlende Kommunikationsfähigkeit unter den Familienmitgliedern birgt meist viel Konfliktpotenzial, weil deren emotionale Bindung und gegenseitige Abhängigkeit voneinander groß ist. Abgesehen davon eskalieren viele Situationen in den Familien, weil verschiedene Geschlechter und Generationen zusammen wohnen. Jeder hat seine Vorstellung vom Leben und doch bleibt auf diesem begrenzten Raum nicht der Platz, um jedem das Leben zu ermöglichen, dass er sich vielleicht gern wünscht.
Darüber hinaus lebt man so eng beieinander, dass jeder an den Entwicklungen und Veränderungen des anderen Familienmitgliedes zwangsläufig teilhaben muss. Die erlebten Höhen und Tiefen des Einzelnen beeinflussen so die Persönlichkeitsentwicklung der anderen Mitglieder.
Kompromisse, Verzichte, Einschränkungen und unzureichend erfüllte Rollenbilder sind an der Tagesordnung. Viel Konfliktpotenzial wird unbewusst aufgebaut, dass in einer unbedachten Situation zum Ausbruch kommen kann.

Auslöser für Spannungen in der Familie können auch „normale“ Probleme wie die Pubertät der Kinder und die Konkurrenz zwischen zwei Geschwistern sein. Daneben bewegen einschneidende Erlebnisse wie Scheidung, Arbeitslosigkeit und Krankheiten so stark, dass sie Krisen auslösen können.

Es ist davon auszugehen, dass viele psychische Probleme, Verhaltensauffälligkeiten und Suchtkrankheiten ihren Ursprung in dem Beziehungsnetz des betroffenen Personen bzw. Kindes haben. So ist bei der Familienberatung die richtige Hilfe aus der Situation heraus nicht immer gleich klar zu greifen. Das Ursache-Wirkungs-Prinzip ist nicht frei ersichtlich, da die zwischenmenschliche Kommunikation so komplex ist, dass kleine Missverständnisse in der Folge von komplexen Ereignisketten und Rückkoppelungsprozessen verschiedene Reaktionen bei dem gleichen Menschen hervorrufen können. Oft reichen fünf Minuten Zeitunterschied, um eine andere Reaktion beim gegenüber hervorzurufen, wodurch sich ganze Ereignisketten verändert.

Die Familienberatung soll den Mitgliedern einer Familie helfen, durch Betrachtung der Konflikte in einem bestimmten Kontext, die eigenen Ressourcen zu mobilisieren, die Selbsthilfemöglichkeit zu verbessern und die Erziehungskompetenz zu stärken. Dies soll durch die Verbesserung ihrer sozialen und wirtschaftlichen Lage erreicht werden. Denn was Kinder brauchen, sind Eltern, die sie auf das Leben vorbereiten und ihnen zeigen, wie bestimmte Konfliktsituationen zu meistern sind. Aus diesem Grund begründet sich die Familienberatung auf dem Kinder- und Jugendhilfegesetz.

In Deutschland bieten verschiedene Träger die Familienberatungen an. Sie helfen den Familien, die selbst zur Problembewältigung aktiv werden. Dazu werden die vorherrschenden Probleme und Konflikte im „Ist“-Zustand ermittelt. Dies unterstützt auch die Beantwortung von gleichen Fragen durch die einzelnen Familienmitglieder, wodurch deren Eindrücke und Sichtweisen aufgezeigt werden können. Mit Hilfe von selbst erarbeiteten Lösungsansätzen wird dann der gemeinsam gefundene „Soll“-Zustand aufgebaut.