Wie muss ich mich im Schadenfall verhalten?

Wenn ein Schadensfall eingetreten ist oder sich durch eine bestehende Streitigkeit eine Schadensfall anbahnt, können Sie sich bei der eventuell auch von Ihrem Versicherer angebotenen telefonischen Rechtsanwalts-Hotline erst einmal eine Empfehlung bzw. Beratung einholen. Hier erhalten Sie beispielsweise auch Aussagen über Erfolgsaussichten eines möglichen Rechtsstreits und wer als kompetenter Rechtsanwalt in Ihrer Nähe für eine anwaltliche Vertretung in Frage kommt. Die erhaltenen Informationen helfen Ihnen zur ersten Einschätzung der Lage und sind für Sie kostenlos, d. h. sie müssen keinen Selbstbeteiligung zahlen. Erst mit einer anwaltlichen Beratung kommt es zur Fälligkeit der Selbstbeteiligung.

Wenn Sie in einem Schadensfall befragt werden, so ist zu empfehlen, ohne anwaltlichen Beistand keine Aussagen gegenüber den Ermittlungsbehörden zu tätigen, um sich nicht selbst zu belasten. Darüber hinaus muss trotzdem alles Notwendige unternommen werden, um eventuell größere Schäden zu vermeiden. Dazu gehört auch, dass Sie die laufende Fristen wie bei Strafbefehlen oder Bußgeldbescheiden einhalten. Veranlassen Sie zur Einhaltung der Frist alles Notwendige. Zu einem späteren Zeitpunkt können Sie eventuell getätigte Einsprüche, Widersprüche oder dergleichen wieder zurücknehmen.

Wenn Sie aufgrund einer Klage einen Anwalt aufsuchen müssen, so sollten Sie den allgemeinen Versicherungsbedingungen zu Ihrem Versicherungsvertrag nachlesen, wer für die Risikoeinschätzung bei der Kostenfrage verantwortlich ist. Denn je nach den hier zugrundeliegenden Versicherungsbedingungen liegt es entweder an Ihrem Rechtschutzversicherer oder Ihrem Rechtsanwalt zu entscheiden, ob der Rechtsstreit Aussicht auf Erfolg hat.
Sind die allgemeinen Versicherungsbedingungen von 1994 oder aktueller, entscheidet der Versicherer selbst über Erfolgsaussichten; sind sie älter, entscheidet Ihr Rechtsanwalt. In seiner Darstellung liegt es dann, ob eine Kostenübernahme durch den Versicherer erfolgt oder nicht.

Nach Klärung der Kostenübernahme müssen Sie entweder Ihren Rechtschutzversicherung umgehend informieren, die erforderlichen Unterlagen, wie beispielsweise die Kopien des bereits gelaufenen Schriftverkehrs, übermitteln und auf die Deckungszusage warten.
Alternativ können Sie gleich zum Anwalt Ihres Vertrauens, der sich dann um die nötige Deckungszusage kümmern kann.

Sollten sich die Erfolgsaussichten zum Streitfall von Ihrem Versicherers und Ihnen unterschiedlich gesehen werden, dann haben Sie die Möglichkeit, Schiedsgutachterverfahren einzuschalten, welches auch in den meisten Versicherungsbedingungen vorgesehen ist.

Bei der Suche nach einem Anwalt haben Sie das Recht zur freien Anwaltswahl. Nehmen Sie als Nachweis der bestehenden Rechtschutzversicherung Ihren Versicherungsschein zum Termin mit und klären Sie vorab, ob Ihr Anwalt nach der gesetzlichen Gebührenordnung für Anwälte abrechnet.
Wenn Sie mit Ihm einen eigenen Preis ausmachen, so müssen Sie gegebenenfalls einen Teil seiner fälligen Kosten später selber tragen, wenn seine Kosten die gesetzlich garantierten Kosten übersteigen.